Brauchen wir noch ein weiteres Buch über Coaching, ungewöhnliche Methoden und ungewöhnliche Orte? Ist die Autorenlandschaft nicht schon satt von Ungewöhnlichem, das manchem als Merkwürdigkeiten vorkommt?

Vielleicht.

Aber nicht , wenn das Buch von Barbara Messer geschrieben ist. Wie keine andere zelebriert sie nicht nur die Ungewöhnlichkeit, sondern sie lebt sie. Das könnte man als ihre persönliche Sache abtun. Entscheidender ist aber ihre Wirkung, die sie erzielt, mit ihrer Art zu coachen und zu arbeiten. Das, was die Autorin macht und weitergibt, ist im besten Sinne nachhaltig. Es bleibt im Kopf, besser noch, im Herzen und hilft Menschen sich zu verändern.

Um gut in ihre Denke von Coaching einsteigen zu können, ordnet sie es in die historische Entwicklung ein, grenzt ab, beschreibt sehr scharf, was Selbstreflexion, Problemreflexion, Zielerklärung und Ressourcenaktivierung ist. Um dann den Bogen zu ihrem Thema, der Erlebnisaktivierung, zu spannen. Die speziellen Wirkfaktoren werden sauber beschrieben, aber nicht nur einfach so, sondern aus der Perspektive der Autorin: Muße, Intuition, Bescheidenheit sind der Fundus. Das inspiriert erfahrene Coaches, gibt aber den Neuen gleichzeitig Orientierung und Information.

All das ist nicht nur aufgeschrieben sondern mit Quellen versehen. So macht das Buch auch Lust nach- und weiter zu lesen.

Und sie erzählt Geschichten. Wie könnte es anders sein, als aus ihrer eigenen Biographie, ohne ins Persönliche abzugleiten. „Die kranke Schwester“ eine Metapher im besten Sinne ist ein Beispiel dafür.
In der Toolbox schreibt sie nochmal Bekanntes auf. Trotzdem nicht überflüssig, weil es zur Vergegenwärtigung der Leser*in beiträgt.
Der zweite Teil des Buches widmet sich dann den „ungewöhnlichen“ Orten. Sie bleibt sich dabei treu.
Die Natur im weitesten Sinne wirkt inspirierend. „Das Lagerfeuer“, „auf Wanderschaft“, „im Zelt“. Wer die Autorin kennt, erkennt sie da wieder. Und man entdeckt vieles aus ihrer beruflichen Praxis als Trainerin: das „liebe Tagebuch“, „der Brief“ und „die Heldenreise“, der „Beichtstuhl“.
Und es wäre kein Buch von Barbara Messer, wenn nicht Neues und Verwirrendes auftauchen würde. „Der Wutanfall“ ihr Beitrag zur Provokation im Coaching, oder das „Sushi Coaching“ (muss ich sofort ausprobieren) sind Beispiele dafür.
Ein überflüssiges Buch? Mitnichten! Und warum?
Weil es unsere Aufgabe als Coach ist, zu verwirren und Fragen zu stellen, die Dinge in unseren Coachingnehmern zu aktivieren, die sie weiterentwickeln.