Wer kennt sie nicht: die schwierigen Situationen in Seminaren und Trainings. Unwillige Teilnehmer_innen, unmögliche Tagungsräume, vergeigte Interventionen – sie begleiten und tagtäglich und es fällt uns schwer sie als das Salt in der Suppe zu betrachten.

Dafür plädiert aber Jürgen Schulze-Seeger, der in seinem wunderbaren Buch „der schwarze Gürtel“ diese wunderbaren Situationen beschreibt und es auf den Punkt bringt: die schwierigen Menschen, die schwierigen Situationen sind das Salz in der Suppe und… schau erstmal was dein Anteil an der Situation ist.

Das klinkt hat und fällt auch mir schwer zu akzeptieren. Zum Beispiel in folgender Situation: Samstag 9.00 Uhr, Rathaus einer Großstadt. Ich stehe eine Stunde vor Seminarbeginn vor verschlossenen Türen. Zum Glück habe ich eine Telefonnummer des Verantwortlichen. Der meldet sich etwas verschlafen und verwundert, dass seine Referentin nicht vor Ort sei. Aber er würde dann selbst vorbeischauen. Ich nutze die halbe Stunde bis der Kollege kommt, um meine Koffer, Mappen, Kisten vor den Eintrag zu tragen. Zum Glück ist Samstag morgens keine Ortspolizei unterwegs, denn ich stehe im absoluten Halteverbot. Der Kollege kommt an und öffnet mir die Tür mit der freudigen Bemerkung, dass ich im Hof hätte parken können und von dort direkten Zugang zum Aufzug gehabt hätte, aber jetzt tragen wir die Materialien doch selbst in den dritten Stock.

Dort eröffnet sich mir der Seminarraum. Graf mit Schweren Tischen bestückt, obwohl ich Stuhlkreis erbeten hatte. Dafür fehlen die bestellten zwei Pinwände. Die Plipchart hat noch drei Bögen Papier. Meine Frage, ob ich noch ein bisschen Papier bekommen kann, wird verneint. In solchen Situationen bin ich immer dankbar, dass ich genug Papier im Auto habe und sogar einen zweiten Beamer. Man kann ja nie wissen.

Das nutzt dann aber auch nichts, wenn die weiße Wand oder (Luxus) die Projektionswand die die Powerpointpräsentation vergessen wurde. Es ist schon vorgekommen, dass ich mir aus einer weißen Tischdecke und einer großen Pappe eine Projektionswand gebastelt habe.

Sehr hilfreich in solchen Situationen sind die Klebepunkte mit denen man gefahrfrei alle Papiere an die Wand hängen kann, ohne wegen Sachbeschädigung vom Veranstalter danach verklagt zu werden.

Nachdem in an besagtem Ort notdürftig den Saal eingerichtet hatte, ein bisschen verschwitzt, weil ich selbst Tische gerückt hatte, trudelten die Teilnehmer ein. Alles nette Leute. Einige begrüßten mich mit den Worten, dass sie gegen Mittag schon wieder gehen müssten, aber das sei ja kein Problem für mich.

10.00! Pünktlich hob ich die Stimme zum „ein herzliches Willkommen und schön dass sie da sind. Was hätten sie denn heute gemacht, wenn sie nicht zu diesem Seminar gekommen wären“. Das ist mein kleines warm up und auch über die Jahre eine interessante empirische Studie. Junge Menschen schlafen Samstags aus, ältere gehen in den Garten und bügeln. Einige machen Sport. Das leben halt. Dazu kam es aber nicht. Just um 10.01 begann die Feuersirene zu heulen. Wenn´s brennt muss man raus und deshalb begaben wir uns diszipliniert auf den Weg ins Freie – bis uns der Haumeister entgegenkam und mitteilte, dass das nur eine Übung sei und wir im Haus bleiben könnten.

Zurück im Saal begann ich erneut mit einem „Herzlich willkommen“ und dem Schritt auf meine Agenda die ich notiert hatte, als laute Rockmusik durch die Lautsprecher dröhnte. Nicht nur in unserem Seminarsaal, sondern im ganzen Haus. Eine ganz lustige Situation. Ein ganzes Rathaus voll AC/DC, aber eben nicht seminargeeignet. Ich fand drei Hausangestellte im Serverraum, die ich freundlich bat die Musik auszustellen und die sich ebenso höflich entschuldigten mit der Bemerkung, dass sie nicht wussten, dass ein Seminar im Haus sei und dass das nur eine „Hörprobe“ sei.

Um 10.30 Uhr konnte ich dann loslegen. Ich danke den Organisatoren für diese nicht bestellten Störungen, weil sie diesen Seminar – und alles was dann noch danach kam – für mich und die Teilnehmer_innen zu einen unvergessenen Samstag werden ließen.